Ich weiß es nicht.

 

Ich würde vielleicht gerne schreiben, dies hier sei ein Neuanfang, aber das tue ich nicht. Ich habe überhaupt gar keine Intention auch nur eine Millisekunde vorzugaukeln ich würde.

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Der Grund warum ich nun seit traurigen 6 Monaten kein bisschen, meiner  unsortierten Gedanken und künstlerischen Ich-tu-mal-so-als-ob’s auf diesem Blog geteilt habe ist, dass ich Angst habe. Ich habe Angst mich mit dem was ich veröffentliche bloßzustellen, mich lächerlich, kreativ sein falsch zu machen, nicht wirklich ehrlich sein zu können. Ich fühle mich festgefroren und wann auch immer ich versuche ein neues Projekt zu starten, verwerfe ich es, belade es mit all dem aufgestauten Frust, den mir selbst meine kitschigen Selbsthilferatgeber nicht nehmen konnten, die einzig und allein wegen lächerlichen Haarschnitten  und meiner Liebe für 80er-Jahre Bad-Taste-Nostalgie überhaupt in meinem Schrank gelandet sind.

Das was ich bisher auf diesem Blog veröffentlicht habe war so überhaupt nicht erzwungen, es war genau das, was mich in diesen Zeiten bewegt, inspiriert und geformt hat. Ich hatte keine Angst, es könne in irgendeiner Weise einfach nicht gut sein, denn ob etwas gut oder schlecht ist, liegt immer noch an meiner eigenen Auffassung.

 

Solange ich hinter dem stehe,was ich tue, ist es für mich authentisch und somit auch irgendwie interessant und wertvoll.

Es ist nicht so, als würden mir Ideen oder Inspirationen fehlen, es ist letztlich mein eigenes Ego das mir im Weg steht.

Allein dieser Text ist Grund sich über mich selbst aufzuregen. Wer möchte schon in einem langweilig, selbstfokussierten Monolog einer ebenso bestenfalls, durchschnittlichen Nobody-Bloggerin versinken?

Das ist es ja, niemand (außer natürlich Oma und Tanti) wird diesen Text je so wirklich wahrnehmen, es besteht gar kein Grund zwanghaft zu versuchen einzigartig begabt und künstlerisch revolutionär zu sein. Andere kriegen das schon hin, indem sie sich ganz platonisch einfach einen kontroversen Jutebeutel bei Urban Outfitters besorgen, ihre Thriftjacke mit Songtexten ‚die ihr Leben gerettet haben‘ besticken, auf Facebook angeben sie seien ein androgyner Mensch mit intersexuell genderqueeren Tendenzen und sich die Haare regelmäßig von blau zu grün und umgekehrt färben.

Ja, da sind einige böse Dinge in diesem Satz und so sollte ich anmerken, dass ich mich während des Tippvorgangs routiniert innerlich geohrfeigt habe.

Ich habe bloß keine Lust alles wahnsinnig verkopft zu durchdenken und beinahe rechnerisch anzugehen. So funktioniert Kreativität nicht. Natürlich funktioniert Kreativität auch nicht auf Kosten anderer, deshalb tut es mir Leid, wenn ich damit tatsächlich irgendwen angegriffen habe.

Mir fehlt es offen zu sein und Dinge auszuprobieren, wie ich es auf diesem Blog so oft mal gut und mal weniger, versucht habe. Aber Offenheit, Ehrlichkeit ist kein frei zugängliches Gut im Internet, in der Öffentlichkeit.

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Es ist ein schmaler Grad, der Meinungsäußerung von Intoleranz und ein Arschloch sein trennt. Ehrlichkeit bedeutet in vielen Fällen Risiko. Risiko nicht verstanden und ausgegrenzt zu werden. Risiko andere in einer Weise zu verletzten, die man so vielleicht nicht beabsichtigt hat. Risiko sich selbst zu hinterfragen, zu beobachten und vor Ratlosigkeit zu stehen. Risiko verletzbar zu sein.

Ich spüre jedenfalls eine ziemlich große Kraft, die von diesen potenziellen Risikofaktoren ausgeht und halte mich deshalb nun schon länger zurück.

Natürlich ist dieser Monolog ziemlich lächerlich, bedenkt man bloß meine unfassbare Reichweite von 3 Lesern pro Tag, aber es ist ein innerer Konflikt mit mir selbst, der mich hier besonders fesselt.

Es geht nicht unbedingt darum, was andere tatsächlich von meinen Inhalten denken, sondern was ich von ihnen halte und wie ich deren Wirkung auf andere einschätzte.

Ich weiß auch nicht wohin mich oder dich dieser Artikel führen soll. Falls sich irgendwer ab diesem Punkt tatsächlich nach einer schlüssigen Erkenntnis sehnt, die gibt es heute nicht…die gibt es schon seit längerer Zeit nicht. Ich bin genau wie jeder andere auch, in einem konstanten Prozess aus Verzweiflung, Glück und ‚Alles scheiße‘ verwickelt.

Dennoch fühlt es sich gut an den Moment ergriffen und erkannt zu haben und meine Gedanken einfach fließen zu lassen, ohne Selektion, ohne Zensur, einfach nur ich und mein Kopfkarussell.

Ich weiß noch nicht, wohin dieser Blog führt und ob er überhaupt noch irgendwohin führen wird. Vielleicht fange ich nochmal ganz von vorne an, vielleicht falle ich aber auch wieder zurück in die Angst. Wie es auch kommen mag. Ich weiß es nicht.

 

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Ein Kommentar zu “Ich weiß es nicht.

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