Otto Orson und Karl Zachary

Obige Namen werden einer, nun gerade hoffentlich aufmerksam lesenden Person, ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern. Falls nicht, dann ist dieser Artikel vermutlich jetzt schon zum Scheitern verurteilt und sollte schnellstmöglich zum spontanen Herausschleudern des Laptops aus dem Fenster führen. Liebste nun lesende Person, nun ist also ihre Zeit, wahrgenommene Reaktion auf Emotionsebene zu den 2 oben aufgeführten Paradebeispielen 2er charmanter Herrennamen, in die Kommentare zu tippen. Alle anderen aufmerksamen Leser, scrollen nun in den Kommentarbereich.

Im Prinzip soll es aber im Folgenden Geplänkel weder um Otto, noch um Orson, noch um Karl und Zachary gehen. Obiger Einführungsabschnitt erfüllt somit einzig und allein den Zweck, mein Verlangen danach zu stillen, sinnsuchende Menschen mit absoluter Sinnlosigkeit in den Krieg der Sinne zu führen..also kurz zusammengefasst: AhhhhhHHHH!

Die eigentliche Frage, mit der ich mich an einem , was auch immer heute für ein Tag ist, auseinandersetzten will ist die Frage danach, wie viel Authentizität hinter moderner Selbstdarstellung eigentlich noch steckt. Anzunehmen wäre, dass die Antwort doch recht simpel ausfallen könnte, leben wir doch in dem Zeitalter, in welchem alte Männer und Damen mit Serviettenhaltern aus den 40ern im Schrank (Qualität aus Deutschland) sicher, rhetorisch gezielt kopfschüttelnd, sagen können dass „nää,nää…“ und das war es dann auch schon.

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Die Jugend von heute; fachmännisch zum Prototyp Internetzombie der nahen Zukunft eingestuft, vollständig abhängig von sozialen Medien, im tiefsten verunsichert, konfrontiert mit Perfektion und zu vielen Pornos. Die Antwort scheint also naheliegend; moderne Selbstdarstellung, die heutzutage überwiegend online stattfindet, verleitet das ohnehin schon verkümmernd, vor sich hinkauernde und dabei vom Gefällt-mir-Daumen gepeitschtes Ich dazu, sich nicht weiter als zu einem weiteren Prototypen zu upgraden. Der Prototyp „Perfektmensch“,“SchaumalichhabnenPlattenspielerundweißsogardassOscarWildenichtRegenschrmeerfundenhatTUMBLRichmussniepupsenMensch““#RegelstudienzeitschaumalichbinrandomlyinThailandundküssearmenKinderndieFüßecrazylifestyleMensch“. Wenn euch noch mehr Prototypen einfallen, bitte, bitte schreibt sie mir.

Wenn ich dann aber mal meine eigene Meinung heranziehe und auf mich selbst blicke, dann kann ich diese Beobachtung zwar feststellen aber nicht einzig und allein negativ und allumfassend deuten. Es ist wahr, dass man unter heutigen Standards dauerhaft präsent sein muss. Und es ist auch wahr, dass ich mein Whatsapprofilbild alle 3 Tage ändere um damit gewissen Leuten (vraiment le mec de la France) wahlweise einen Mittelfinger oder kurze Miniröcke auf den Bildschirm zu kontern, weil es mir das Gefühl gibt an einem Punkt angekommen zu sein, an dem ich aber im echten Leben, also sobald Michel Polnaref vor der Freiheitsstatue erscheint (Übersetzung: der Bildschirmschoner), noch weit entfernt zu sein scheine. Wenn ich diese Bilder hochlade, dann wirke ich auf ihnen, zumindest aus eigener Sicht, unnahbar, stark und gefestigt während ich im Schlafanzug  mit frisch beseitigten Pickeln auf der Eckkante meiner Couch sitze und dem Kühlschrank lausche. Die Bilder der letzten Nacht sind essentiell um all seinen Kontakten deutlich zu machen: FOMO (Fear Of Missing Out). Die seltsamen Grimassen in fragwürdigen Outfits sind eindeutige Indizien, dass hinter diesem Profil eindeutig jemand Einzigartiges stecken muss und hinter dem Pärchenbild mit Instagramfilter steckt ein lautes „Bist du auch so glücklich wie ich?!“.

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Auf Instagram tummeln sich die pastellfarbenen Achselhaare und Girl Power Shirts, kombiniert mit Netzstrümpfen und Glitzerhaargummis, die ich prinzipiell ästhetisch und thematisch schon eher total unterstütze, aber immer und immer wieder sehr ähnlich und uniform wirken. Wobei die neue Feministenbewegung dort ja eigentlich genau das Gegenteil porträtieren will: Vielfalt, Individualität und dabei aber dennoch auch eine universale Gleichheit, die alle letztendlich doch miteinander verbindet. Das Prinzip ist gut, nur wirkt die Umsetzung für mich eher nach dem Einführen neuer optischer Standards und Idealen, als junge Frauen tatsächlich als junge Frauen darzustellen und eben nicht nur als dieses große wichtige Gerüst einer rosa Glitzerbewegung.

Ja, wenn ich einmal ganz ehrlich bin, dann habe ich oftmals das Gefühl, unbewusst doch bloß ein Abklatsch von dem allbekannten „zu viel“ zu sein. Zwar finde ich mich wieder, in der Art und Weise wie ich mich kleide und online auftrete, jedoch kann ich einen gewissen Grad an Unbehagen nicht abstreiten. Die Angst davor von anderen in eine Box gesteckt zu werden, identifiziert und als Fake entlarvt zu werden, entblößt und erklärungslos zu sein, dieses Gefühl ist stets präsent. Vielleicht ist es das aber auch, weil man als junger Mensch für den Druck nach makelloser Selfpromotion virtuell, als auch real, einfach noch viel anfälliger ist. Der Prozess sich selbst zu finden wird so in unseren modernen Zeiten also bloß komplexer und damit immer schwerer. Wie authentisch kann man sein, wenn man sich andersherum fragen muss, wie viel Authentizität man anderen zumuten darf? Wie viel Authentizität den Grad zwischen #edgy und #basicbitch ausmacht.

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Die heutigen Möglichkeiten bieten einfach, viel mehr als je zuvor, die Möglichkeit, sich selbst so zu formen und darzustellen, wie man von anderen letztendlich auch wahrgenommen werden will. Man hat die Freiheit heute David Bowie und morgen Florian Silbereisen zu sein, ja wenn man das denn wollte. Bei der ganzen Freiheit jedoch für sich selbst eine stimmige Linie zu finden, ein grundlegendes Gesamtkonzept, welches kein Konzept sein darf, da es ja eigentlich ganz natürlich kommen sollte, das ist die Schwierigkeit; zu wissen, wann genug geschauspielert wurde und wann es Zeit ist die Maske fallen zu lassen.

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