Ebay für Liebe

Wieder einmal ist es spät, Slowdive’s Souvlaki läuft, als ich mich dazu entscheide meinem Schreibbedürfnis nachzugehen. In letzter Zeit werde ich mir gewissen Bedürfnissen stärker bewusst. Mir wird bewusst, dass der Mensch ein beinahe einzig von Bedürfnissen gesteuerter und manövrierter Apparat ist. Der innere Drang nach etwas zu greifen, was uns verwehrt wird, der innere Drang der uns überhaupt antreibt zu tun. In den seltensten Fällen ist es doch tatsächlich unser zielgesteuertes Bewusstsein, was uns letztlich so handeln lässt, wir wir glauben es gewollt zu haben. Meist sind es, uns nicht bewusste, fern in der Tiefe unserer Psyche liegende, Muster…metaphorische Symptome die sich bemerkbar machen.

Mir fällt es schwer zu akzeptieren, dass ein großer Teil unseres Bewusstseins durch das Unbewusste geprägt wird. Dass wir nun einmal nicht Herr unserer Selbst sind, dass wir uns ständig selbst manipulieren, ob wir es merken oder nicht. Der Mensch ist nicht dieses rationale Wesen, welches die Freiheit der Wahl besitzt. Wir sind beeinflusst durch das, was uns im inneren antreibt vor dem Hintergrund äußerer Reize. In der Psychologie bestrebt in mir ein Humanist auf der Suche nach bewusster innerer Selbstverwirklichung, dessen Verstand sich querstellt gegen den psychodynamischen Freud und die Behavioristen Skinner oder Watson  die davon ausgehen, dass unser Verhalten und unser mentales Erleben kontinuierlich manipuliert wird.

In meinem Umfeld erlebe ich klare Gegenanzeigen. In meinem Umfeld sehe ich, wie wir uns doch alle bloß Mittel zum Zweck sind. Ausgeliefert unserer Gier, der Begierde, der Einsamkeit, dem Verlangen. Wie wir uns alle doch bloß Befriedung innerer Leere sind, auf der Suche nach Mehrwert.

Immer wieder stellt sich mir die Frage in den Weg, inwiefern wir tatsächlich noch in der Lage sind zu lieben, zu geben ohne zu verlangen und zu erwarten, ohne einen unmittelbaren Nutzen aus dem Anderen zu Schöpfen. Vielleicht waren wir das noch nie. Ich vermute es. Ich vermute wir alle machen uns bloß etwas vor. Niemand liebt jemanden bloß der Liebe wegen.

Man soll unreifer von reifer Liebe trennen können. Unreife Liebe als symbolische Vereinigung. Ein Geben und Nehmen ausgehend von innerer Leere, vom inneren Verlangen, sei es sexuell, sei es die allumfassende Angst des Nichtdazugehörens, sei es der harmlose Wunsch jemand zu sein, indem man für jemanden einer ist.

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In der reifen Liebe, so Erich Fromm, baut alles auf einer schöpferischen Natur auf. Wir geben nicht in Erwartung zu bekommen, sondern einfach nur des Liebens wegen. Wir geben ein Stück von unserem selbst, unserer Lebendigkeit, unseres Glücks und teilen es mit jemand anderes. „Nicht der ist reich, der viel hat, sondern der, welcher viel gibt.“(Erich Fromm, „Die Kunst des Liebens“). So empfängt derjenige der wirklich gibt, und Geben nicht als Form von Verarmung sieht, eben genau dieses zurück. „Die Liebe ist eine Macht, die Liebe erzeugt.“.

Die Meisten verharren in ihrer Unfähigkeit, das Geben als einen schöpferischen Akt zu sehen. Die meisten von uns erwarten ein kontinuierliches Bekommen. Somit bauen unsere Beziehungen auf Bedürfnissen auf. Völlig natürliche Bedürfnisse, die uns aber daran hindern eine tatsächliche Bedürfnisbefriedigung zu erlangen. Wir werden einsam bleiben, wenn wir auf der Suche nach dem Nichteinsamsein sind, wir werden sexuell frustriert bleiben auf der Suche nach Sex, wir werden Unverstanden bleiben auf der Suche nach Verständnis. Beziehungen werden wie ein Markt betrachtet. In einer gewissen Weise hat sich aus der Suche nach Liebe schon ein gefestigtes Geschäft entwickelt. Wir suchen nach Menschen mit passenden Eigenschaften und sortieren schnell aus, wissen aber, uns steht bloß das zu, was wir auch selbst anzubieten haben. Die Liebe, die Zwischenmenschlichkeit wird so zu nichts weiter als einem Persönlichkeitsmarkt, ein Tauschgeschäft von Suchenden und Gebenden die gleichzeitig auch im Suchenden das Geben verlangen.

Das mag ein recht zugespitztes Konzept darstellen und ich bin mir sicher an einigen Stellen die falschen Gedankenpfade gegangen zu sein. Spannend finde ich, diesen Austausch, auch wenn er hier mittlerweile mehr mit mir allein stattfindet, einfach fließen zu lassen. Selbst auf die Gefahr hin nicht immer ganz durchdacht zu klingen. Die meiste Zeit beschäftige ich mich mit Gefühlen auf Gefühlsebenen, es ist schwierig diese strukturiert zu durchdenken und ihnen Sinn zuzuschreiben. Ich betrachte in dem inneren Trieb, dem Verlangen der Bedürfnisbefriedigung, nur in der Hinsicht etwas Negatives, als das es meine romantische Vorstellung des perfekten Menschen, des Wesens in control erschüttert…welches ja an sich schon ein Konstrukt darstellt, welches einzustürzen sich lohnen würde.

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*******************************??Crazy for You?????***********************************************

 

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