Inspiration #1: ГОША РУБЧИНСКИЙ / Gosha Rubchinsky

In letzter Zeit habe ich mich zunehmend mit einem zugegebenermaßen, auf dem ersten Blick oberflächlichen und im hohem Maße hohl wirkenden Thema , der Mode gewidmet. In der folgenden Reihe will ich nun meine Inspirationen teilen und ein wenig über meine Reaktionen und Meinungen, bezüglich der Designer und ‚why in hell‘ man sich fashion shows ansehen sollte, teilen.

Zunächst einmal also wtf?!

Mode ist in Zeiten, in denen der Großteil der Menschen die Möglichkeit hat sich frei zu äußern, zu entfalten und darzustellen, mehr als bloß zweckorientiert und normgebunden. Mode wird seit jeher als Kunst betrachtet, ist interkulturell, ist individuell, ist Müll, ist menschenverachtend, ist Luxus, ist Status, ist Sprachrohr der Generationen, ist politisch, ist Gleichheit, ist Magersucht, ist Ideal, ist Illusion, ist Traum, ist eine Welt, von der man sich erträumt, sie sei eine Spielfläche, ein freier Ort, in der man selbst die Regeln stellt, in der man selbst Schöpfer wird und seine ‚multiplen Individualitäten‘, die alle und für sich dynamisch Authentizität für sich vereinnahmen, aber praktisch doch eher Abstraktionen von Gegebenen sind, ausprobiert, in verschiedene Rollen steckt und lernt diese zum Ausdruck zu bringen. Mode ist also eine Kunst die in verschiedene Disziplinen eingreift. Vor allem ist Mode aber eine Kunst des Selbst, des Egos, des sich zuordnens oder des sich abnabelns. Mode ist zu viel, als dass ich ihren Wert allumfassend zu einem Ganzen zusammenfüge.

Deshalb ist es mir bloß möglich zu sagen, was Mode für mich ist, anhand der kommenden Beispiele aus dieser Blogserie ‚Inspirationen‘.

In diesem Fall Gosha, Gosha Rubchinsky ( excuse me for quoting cloud rap but I can’t *für Erklärung dieses geistigen Ausfalls, siehe letztes Video und judge).

Gosha Rubchinsky repräsentiert jenes modische Sprachrohr, ist eine Bewegung, gibt der Jugend eine Stimme, einen Look. Dieser Designer kommt aus Russland und konzentriert sich darauf, der russischen Youth-Culture pop-kulturell, modisch, historisch, politisch gerecht zu werden. Er ist weniger Designer, als er Stylist ist. Seine Shows sind ein Gesamtkonzept aus  russischer Kultur, Politik, jugendliche do-it-yourself-Dynamik und Nostalgie.

Der Begriff Mode definiert nach Gosha würde bedeuten, Kultur auszuleben, sich mit seiner Herkunft zu identifizieren und sich dadurch gleichzeitig mit Gleichgesinnten vereinen. Immer wieder finden sich westliche Marken, wie Fila, Adidas oder Tommy Hilfeger in seinen Designs wieder. Er sagt, er wolle dadurch soziale Kategorisierung durch Kleidung und Markenbewusstsein kritisieren und macht aus den Originalen individuelle und neue Kreationen und zeigt somit, dass jeder in der Lage ist, aus alten Marken, die viellicht noch zu Hause rumfliegen etwas neues und eigenes zu machen.

Außerdem bringt Gosha Repräsentanz der russischen Jugend und ihrem Land mit sich. Man bekommt einen greifbaren Eindruck von dem, was die Jugend bewegt, was sie antreibt und wie sie lebt. In seiner letzten Show auch besonders, durch die eingespielten Interviews der Models auf dem Laufsteg. Während sie hart, kühl und unnahbar (so wie viele Russland selbst sehen) über den Laufsteg schreiten wird dieses Bild gebrochen, durch die zarten, individuellen Eingebungen der Models bezüglich ihrer Wünsche, ihrer Zukunft und ihren Träumen, die aus der Mode mehr machen, als bloße Selbstdarstellung.

Mir persönlich gefällt die Idee, Markengedanken umzustoßen und etwas neues daraus zu machen , nicht das alte unendlich oft zu replizieren, sondern seinen eigenen Wurzeln Ausdruck zu verleihen. Gosha selbst produziert ausschließlich Kleidung für Männer. Für mich bedeutet das aber nicht, dass ich daraus selbst nichts schöpfen kann. Mir gefallen besonders die harten Schnitte, die klaren Linien , weniger die street wear Seite der Marke. Er repräsentiert auch teilweise einen androgynen Mann in Form von weiblichen Farben, Schnitten usw.. Seine Mode, oder die Art wie er sie styled ist dadurch eher unisex und vielseitig.

 

Seine Kreationen werden von der Presse oft als „post-soviet-Style“ betitelt, wogegen er sich strickt dagegenstellt. Dieser Titel entstammt der Idee, dass nun die Jugend die nach dem Zerfall der Sovietunion nach jahrelanger Isolation, der Generationen vor ihnen vom Westen und dem Rest der Welt, durch den eisernen Vorhang, eine Stimme findet und diese in die Welt trägt.

Mir persönlich gefällt die rohe und doch durchaus ungekünstelte Welt die Gosha nicht kreiert, sondern vielmehr akzentuiert und repräsentiert. Dieser doch eher raue, ungeschönte, kühle Stil ist für die glitzernde Statusmodewelt eher unüblich und gerade deshalb ja auch so revolutionär. Rubchinsky’s Mode richtet sich an die Jugend, an junge Erwachsene, ist erschwinglich und leicht nachzuahmen. Sie verkörpert einen Zeitgeist, einen Aufschrei nach jahrelanger Stille aus dem Osten und unterstreicht die Kraft, die in der Mode steckt.

*Anhang: Erklärung eines geistigen Ausfalls

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